Landschaftsfotografie SLOW

Mit der Fotoschule Zingst, ging es Mitte März für vier Tage entlang der mecklenburgisch-vorpommerischen Ostseeküste auf Motivsuche. Das Motto: SLOW oder im Zeitgeist formuliert „entschleunigt“.

Nach einer theoretischen Einführung zum Grundgedanken des „sich bewussten Zeit Nehmens, innezuhalten, sich zu fokussieren (unter dem Titel „Slow down – Slow-Photography“ hatte ich im September 2025 einen Beitrag im Blog eingestellt) im Max-Hünten-Haus (kurz Max), starteten wir am Donnerstag zur Abenddämmerung mit der praktischen Fotografie. Hierzu nutzten wir den Strand in Zingst, um die Seebrücke herum. Wichtig war mir als Leitender, dass die Teilnehmenden ein Gespür für den Ort entwickeln, den wir am darauffolgenden Freitag mit der Morgendämmerung als Motivkulisse nutzten. Es ging um das Erkennen, wie sich das Licht entwickelt (Richtung und Intensität) und sich damit auch unterschiedliche Motive ergeben können.

Nach dem Frühstück trafen wir uns erneut am Max. Von hier ging es direkt an das Hohe Ufer zwischen der Künstlerkolonie Ahrenshoop und dem Seebad Wustrow. Hier verändert sich die Steilküste tag ein tag aus. Motivisch bietet der Küstenabschnitt unterschiedlichste Perspektiven für stundenlanges Erkunden und Entdecken. Mal mit einem Ausschnitt, dann wieder mit dem Blick auf den Landschaftsraum als Ganzes.

Für die Nachmittagsstunden wollten wir eigentlich weiterziehen nach Nienhagen in den Gespensterwald. Doch der Wetterbericht kündigte Regen mit stürmischen Böen an. Da der Regen bereits sichtbare Vorboten über die Ostsee sandte, entschieden wir uns für einen Abstecher in den trockenen wie windgeschützten Seminarraum im Max, wo ich einen Vortrag über Deutschlands Landschaften bei einem heißen Kaffee aus dem Ärmel zog.

Der anhaltende Regen sollte auch unseren Samstagmorgen über den Haufen werfen. Geplant war der Sonnenaufgang mit Kreidefelsen und Ostsee im Hintergrund am Jasmund auf Rügen. Vorrausschauend hatten wir uns am Freitag bereits auf einen Plan B verständigt. So konnten alle in ihren Unterkünften frühstücken und wir erreichten den Jasmund im Laufe des Vormittags, nach dem sich der Regen verabschiedet hatte.

Kurz bevor wir Sassnitz erreichten, verdichtete sich der Nebel zu einer dicken undurchdringlichen grauen Wand. Nach einer kurzen Beratungsrunde, ließen wir die Kreideküsste am Sassnitzer Wedding rechts liegen und fokussierten uns auf die Buchenwälder (als Teil des UNESCO-Weltnaturerbe Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas) an der Stubbenkammer rund um das Nationalparkzentrum Königsstuhl.
Nahmen wir uns am Vortag entlang des Hohen Ufers bereits reichlich zeit für die Motivfindung, zelebrierten wir die innere Fokussierung in den Buchenwäldern mit der angrenzenden Kreideküste bis in die Nachmittagsstunden. Durchgefroren und zufrieden freuten wir uns schließlich auf die unterschiedlichsten Heißgetränke im Bistro des Nationalparkzentrums.

Frisch gestärkt und vor allem aufgewärmt, nutzen wir den Blick vom Skywalk für einen abschließenden Tiefblick und beendeten unsere Nebelsession. Weiter ging es an den Wedding im Norden Sassnitz, wo wir uns gezielt auf die Kreideküste konzentrierten, bevor wir zum Abendessen ins „Daheim“ in Lohme aufbrachen. Von hier ging es, im wiedereinsetzenden Regen schnurstracks zurück nach Zingst.

Sonntagmorgen – wir glaubten es kaum, doch wir starteten bei trockener Witterung wie geplant um 5Uhr45 am Max. Ziel war das Boddenufer an den Sundischen Wiesen. Der trübe Himmel verschaffte uns eine eigene Stimmung zwischen bläulich-trüben Himmel und gelb-orangen Schilf.

Nach dem Frühstück trafen wir uns zur abschließenden Bildbesprechung im Seminarraum im Max. Wir waren überrascht, wie unterschiedlich wir als Gruppe ein und den gleichen Ort wahrgenommen haben – in Bilder übertragen haben. Mit der abschließenden Feedback-Runde verabschiedeten wir uns und ein(e) jede(r) ging seiner Wege…

 

Für mich hieß es jetzt „Wochenende“! Ich nutzte die Nähe zu Ahrenshoop für einen Besuch der Kunstkaten am Strandweg. Hier ist noch bis zum 3. Mai dieses Jahres der Hamburger Impressionist Ernst Eitner (1867 – 1955) ausgestellt (mehr zur Ausstellung). Wurden seine Werke anfangs vom Hamburger Publikum als „Schmieralien“ und „Spinat mit Ei“ verunglimpft, galt er in späteren Jahren als der „Monet des Nordens“. Die verbliebene Abenddämmerung verbrachte ich auf der neuen Seebrücke in Prerow für einen Blick auf die wie Blei vor mir liegende Ostsee.

Apropos Ostsee, am letzten Mai-Wochenende (30. / 31. Mai 2026), geht es mit der Fotoschule Zingst ebenfalls wieder an den Strand. Im Fokus steht das „Licht in der Landschaft“. Nach der theoretischen Einführung geht raus – wohin genau, entscheidet die Witterung vor Ort. Wer Lust auf mehr Ostsee verspürt, mit der Schlei-Akademie geht es vom 27. bis 31. Juli unter dem Titel „Landschaft-Fotografie“ an die Ostseeküste von Angeln, kurz unterhalb der dänischen Grenze.