Fotoreise Normandie 2026

Auch in diesem Jahr führte mich eine Fotoreise mit Thürmer Tours in die Normandie nach Étretat und an den Mont Saint Michel. Wie in den Jahren zuvor, brachen wir wieder Ende Februar auf. Da sich das Reisedatum von Jahr zu Jahr ändert und in aller Regel nicht dem gewohnten Reise-Rhythmus folgt, steht öfter die Frage im Raum, warum wir hier beispielsweise Dienstags oder Freitags mitten unter der Woche aufbrechen, während andere Fotoreise am Wochenende starten. Die Antwort ist äußerst einfach: Wir stimmen diese Fotoreise speziell mit den Gezeiten vor Ort ab. So haben wir gerade am zweiten Übernachtungsort am Mont Saint Michel die besten Voraussetzungen, die Insel auch als Insel zu erleben. Doch dazu später mehr.

In Étretat angekommen, verabredeten wir uns nach dem wir die Zimmer bezogen haben für einen ersten Foto-Stopp an der Strandpromenade vor unserem Hotel, dem Le Rayon Vert. Der Regen der vergangenen Stunden ist abgezogen und die Abendsonne verfärbt die sich auflösenden Wolken in ein farbenprächtiges Spektakel. Ein guter Einstand wie wir anschließend beim Abendessen befanden.

Am nächsten Morgen erwartet uns beständiger Regen. Nach dem Frühstück nutzten wir die Zeit für persönliche Einkäufe, bevor wir nach Yport aufbrachen. In dem kleinen Badeort, nördlich von Étretat angekommen, lockerte der Regen auf, bevor er schließlich ganz abzog. In Yport bieten  die kleinen, normannischen Badehäuschen unabhängig der Witterung eine schöne Kulisse. Allerdings sind die Verwitterungsspuren mittlerweile unübersehbar. Es scheint so als würden sie das Ende einer längst vergangenen Ära besiegeln.

Zwischenzeitlich lässt sich durch die Wolkenlücken die Sonne erahnen. So dass wir das einsetzen der Ebbe für einen Strandspaziergang in entgegengesetzter Richtung, durch das Valleuse d’Antifer hinunter zum gleichnamigen Strand nutzten. Dort ging es rechter Hand über den Strand durch das sogenannte „Schlüsselloch“, einem schmalen Felsdurchbruch unterhalb der Pointe de la Courtine. Weiter ging es über den anschließenden Strand, bis wir den Aussichtspunkt auf einer vorstehenden Klippe erreichten. Von dort hatten wir mit leichter Brandung im Bildvordergrund eine gute Perspektive durch das große Felsentor (La Manneporte) hinüber auf die Aiguille d‘Étretat. Rechtzeitig, bevor die Flut wieder einsetzte, passierten wir erneut das Schlüsselloch und machten uns auf den hinauf zum Parkplatz.

Wieder in Étretat angekommen, gönnten wir uns eine Verschnaufpause. Für die anstehende Abenddämmerung machten wir uns über die Strandpromenade rechter Hand auf den Weg, hinauf zur Chapelle Notre-Dame-de-la-Garde. Von dort lassen sich verschiedenste Aussichtspunkte ansteuern. Auch wenn der Tag mit unnachgiebigen Regen startete, ließen sich dank dem Witterungswechsel stimmungsvolle Motive entdecken.

Regen sollte uns auch am nächsten Morgen begleiten. Ungeachtet der im Wind quer anfliegenden Regentropfen, versuchten wir uns an der Uferpromenade, in der Hoffnung, dass der Wind nicht unsere Stative umwirft. Im Anschluss versammelten wir uns frisch getrocknet in der Kaffee-Ecke des Hotels und nutzten die Zeit für eine kleine Bildbesprechung mit Ideen und Anregungen für die Bildentwicklung.

Unter anderem kamen wir dabei auch auf die Blockbuster-Ausstellung „Monets Küste – Die Entdeckung von Étretat“ im Frankfurter Städel Museum zu sprechen. Sie präsentiert noch bis zum 5. Juli 2026 über 170 Werke die Entlang der Kreidefelsen an der Alabasterküste im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden. Neben den Eindrücken von Claude Monet werden auch Werke von Gustave Courbet, Eugène Delacroix, Henri Matisse und anderen ausgestellt. Mit Blick auf den Impressionismus und die Bedeutung Étretats in seiner Entwicklung passt auch die vor kurzem erschienene arte-Dokumentation „1874: Die Geburtsstunde des Impressionismus“ (falls die Dokumentation nicht mehr verfügbar ist: youtube). Die Dokumentation beginnt unterhalb der Kreidefelsen von Étretat.

Für uns hieß es jetzt Farbe bekenne: verstecken wir uns vor dem Wetter oder machen wir uns auf den Weg? Wir machten uns auf den Weg und übten uns an der Bunkeranlage in Heuqueville sowie dem Leuchtturm am Cap d’Antifer mit dem tief eingeschnittenen Le Fourquet.

Wieder in Étretat angekommen, nutzen wir die Mittagszeit mit Crêpes und Kaffee, um unsere Jacken und Rucksäcke zu trocknen. In den Nachmittagsstunden bis zur Abenddämmerung ging es dann linker Hand entlang der Strandpromenade hinauf zum Aussichtspunkt über der Falaise d’Aval. Auch wenn die Klippen an einigen Stellen in den vergangenen Jahren mehr und mehr abgesperrt wurden, lassen sich verschiedene Standpunkte, an denen die frühen Impressionisten ihre Werke anfertigen gut erkennen. Ausblicke, die beim Aufstieg zum Aussichtspunkt die Gedanken anregen…

Unser letzter Tag an der Alabasterküste, in den bereits beim Frühstück mit strahlendem Sonnenschein starteten. Auf unserer Agenda standen die Felspartien zwischen Fecamp und Les Petites Dalles. Da wir die Badehäuschen in Yport zu Anfang unserer Fotoreise im Regen fotografierten, legten wir hier kurzer Hand einen Zwischenstopp für sonnige Badehäuschen ein.

In Fecamp angekommen, konzentrierten wir uns auf die Hafeneinfahrt mit den Leuchttürmen, gefolgt von einem Zwischenstopp im Le Taé in der Altstadt von Fecamp. Bekannt für seine Crêpes, geschätzt für seine sauberen sanitären Einrichtungen. Weiter ging es mit einem Blick von der Aussichtskanzel an der Chapelle Notre Dame Du Salut. Die Küstenwanderwege nahe der Klippen sind hier oben leider nach wie vor gesperrt.

In Senneville-sur-Fécamp steigen in den frühen Nachmittagsstunden durch das gleichnamige Tal hinter zum Strand. Der ist hier mit unzähligen, über die Zeit herabgestürzten Kreidefelsen unterschiedlichster Größen übersät. Sie bieten unseren Fotoreisen entlang der Kreideküste immer wieder über Stunden hinweg beeindruckende Motivmöglichkeiten.

Am späteren Nachmittag, mit der einsetzenden Flut machten wir uns auf den Weg nach Les Petites Dalles, dass wir nach einem Zwischenstopp in Les Grande Dalles erreichten. Beide Orte bieten Ausblick auf die majestätisch emporragenden Kreidefelsen. In Les Petites Dalles hoffte ich, dass wir noch Spuren des Felssturzes aus dem vorangegangenen Sommer (ca. Juli 2025) entdecken könnten. Dieser ereignete sich bei bestem Sommerwetter rechter Hand des offiziellen Badestrandes. Das youtube-Video des Abbruchs lässt erahnen welche Kräfte hier freigesetzt wurden. Doch die unermüdliche Brandung hatte zwischenzeitlich die herabgestürzten Kreidefelsen fast vollständig aufgerieben.

Wieder in Étretat angekommen, genießen wir unser letztes Abendessen, bevor wir uns am drauffolgenden Morgen auf den Weg zum Mont Saint Michel machten.

Aufbruch über die südlich gelegenen Seine-Mündung mit einem ersten Zwischenstopp in Honfleur. Während wir mit Blick auf mögliche Motive durch die Gassen streifen, fällt auf, dass viele der kleinen Galerien und Chocolaterien geschlossen haben. Nicht einfach geschlossen, sondern schlichtweg nicht mehr da sind, was wir mit bedauernd zur Kenntnis nehmen. Der Tank-Stopp auf unserem weiteren Weg, katapultiert uns, mit Blick auf die Benzinpreise, dann auch direkt in das politische Weltgeschehen zurück.

Mont Saint Michel – die Pyramide des Abendlandes inmitten des normannischen Wattenmeeres. Im Hôtel Mercure Mont Saint-Michel einquartiert, brachen wir auch schon auf. Mit dem Pendelbus ging es über die Brücke dem Berg entgegen.

Eines nehme ich gleich vorweg: Auch wenn wir die höchste Flut für dieses Frühjahr angesteuert hatten, blieb uns die Insel als vollständige Insel zu erleben verwehrt – leider. Die Flut reichte zwar bis in den Eingangsbereich der Festungsanlage und setzte diesen unter Wasser. Doch wurde der Damm selbst, wie das Bild von der Fotoreise aus dem Jahr 2025 (mehr im Blogbeitrag) zeigt, nicht vollständig überspült.

Die Festungsanlage erkundeten wir in den anstehenden zwei Tagen ausgiebig: Außen mit Weit und Tiefblicken von den Wehrtürmen und -gängen. Einmal die unzähligen Stufen des 92 m hohen Berges erklommen, widmeten wir uns der Abtei mit ihren Gemäuern über Stunden.

Nutzte ich in den Außenanlagen des Mont Saint Michel überwiegend eine Farbfilmsimulation an meiner Fuji-Kamera, wechselte ich im Inneren der Abtei konsequent auf die Filmsimulation ACROSS. Sie bietet mir eine optimale Ausgangsbasis für die nachfolgende S/W-Entwicklung der Aufnahmen. Zumal ich hier bei Bedarf, wahlweise auf einen integrierten Gelb-, Rot- und Grünfilter zurückgreifen kann. Sicherlich lassen sich RAW-Aufnahmen auch nachträglich hervorragend in S/W-Bilder konvertieren – doch bedingt durch einen anderen Algorithmus der in dem jeweiligen RAW-Konvertor zum Einsatz kommt, entschied ich mich für S/W vor Ort. Darüber hinaus ging es  mir um die Wahrnehmung und Umsetzung der Linienführungen in den historischen Gemäuern, wie auch dem Licht- und Schattenspiel in den Gewölben oder auch der Krypta.

Auch wenn uns die Witterung auf dieser Tour nicht wie in den vorangegangen Jahren zugespielt hat, blicke ich wehmütig auf meine Aufnahmen, während ich diese Verschlagworte und ins Archiv verschiebe. Die Region lockt doch immer wieder mit ihren unterschiedlichen Landschaften aufs Neue. 2027 erwarten mich allerdings erst einmal andere, neue Ziele. 2028 freue ich mich wieder auf die Normandie…

Wem die üblichen Buchempfehlungen hier fehlen – mein Tipp, einfach einen Blick auf Reiseberichte aus der Normandie aus den Jahren 2025 und 2023 werfen…