Eine meiner ersten Touren in 2026, führte mich mit einer Fotoreise des Münchner Wüsten-Spezialisten und Oman-Kennern bedu expeditionen, in das Sultanat im Süden der Arabischen Halbinsel. Doch im Vergleich zu unseren vorangegangenen Fotoreisen, führte uns unsere Reiseroute diesmal nicht in die Wüste. Im Fokus standen auf dieser neu konzipierten Fotoreise die Küstenregion, das Hadschar-Gebirge samt seines Oasengürtels sowie ein Abstecher an den Rand der Rimal al-Wahiba (auch bekannt als die Wahiba Sands).
In Muscat sammelte sich unsere kleine Fotogruppe am Gepäckband im klimatisierten Flughafen. Im Hilton Garden Inn-Hotel angekommen, wechselten wir unsere Winterkleidung und machten uns anschließend direkt auf Erkundungstour: die Große Sultan-Qabus-Moschee, der al-Alam Palace – für Omanneulinge fast schon eine Pflichtrunde zur Einstimmung, was sie in den kommenden Tagen an landestypischer Architektur begleiten wird. Vor dem Abendessen schlenderten wir noch über den alten Suq an der Cornish, wo wir auch schließlich zu einem wohlverdienten Abendessen einkehrten.
Beim Frühstück im Garten des Hotels, besprachen wir unseren Tagesablauf, in den wir, wann immer möglich Kundenwünsche integrierten. Mit leeren Speicherkarten und voll geladenen Akkus ging es in Sichtweite des Hotels, in die Mohammed al-Ameen-Moschee mit ihrer strahlendweisen Marmorfassade. Ein Zwischenstopp am Royal Opera House, bevor wir den Mainstream verließen und oberhalb von Ruwi den Blick auf das Wadi Kabir erkundeten. Nach einigen Offroad-Kilometern im Yiti-Hochland, legten wir in Sidab Mittagessen ein. Die Nachmittagsstunden nutzen wir für eine Strandexkursion an der zerklüfteten Felsenküste, bevor wir uns südlich von Sidab zum Sonnenuntergang mit einer Dhau (traditionelles arabisches Handelsschiff aus Holz, mehr verrät wikipedia) entlang der Küste aufbrachen.
Am Dienstagmorgen verstauten wir nach dem üppigen Frühstück frisch gestärkt unser gesamtes Gepäck samt Fotoausrüstung (diese selbstverständlich jederzeit inklusive Stativ griffbereit) in unseren Toyotas (ein Land Crusier sowie ein Tundra). Entlang der Küste ging es in der Batina-Ebene nach Barka, wo wir dem Bait al-Numan Castle, einem ehemaligen Gästehaus eines Scheichs einen Besuch abstatteten.
Aus der Batina-Ebene steuerten wir auf den Rand des Hadschar-Gebirges zu, wo wir auf weitere traditionelle Festungsbauten in Lehmbauweise trafen. Eine Mittagspause im Schatten der steil emporragenden Felsflanken, an den heißen Quellen oberhalb des Forts in Nakhal bei Ain al-Thawarah. In den Nachmittagsstunden halten wir auf verschlungenen Pfaden, gelegentlich auch Abseits asphaltierter Straßen, auf unser Tagesziel Sohar im Nordosten des Sultanats zu.
In Sohar angekommen, fahren wir direkt auf die Sultan Qaboos Grand Masjid zu. In Anbetracht der anstehenden Abenddämmerung, stellten wir den Hotel Check-In hinten an. Sicherlich gibt es eine Vielzahl von Moscheen in Oman, doch diese Moschee unterscheidet sich dahingehend, dass sie in ihrem Baustil einer persisch-zentralasiatischen Architektur folgt, die bereits von weitem wahrgenommen wird.
Ausgeruht und frisch gestärkt, wendeten wir uns am nächsten Morgen erneut der Moschee zu. Diesmal mit einer stetig steigenden Sonne über die Vormittagsstunden. Ein herrliches Spiel mit Linien, Formen und vor allem Symmetrie.
Weiter ging es zum Fort im alten Stadtkern der Küstenstadt. Wobei wir auf dem Weg zum Fort noch einen Zwischenstopp einlegten. Hier zogen die Fischer gerade ihr Netz mit dem Tagesfang aus dem Golf von Oman. Sprichwörtliches Teamwork – eine Hand verlässt sich hier tagein, tagaus auf die andere, um gemeinsam zum Ziel zu kommen, sprich Essen auf dem Teller zu finden.
Um die Mittagszeit, verließen wir Sohar. Unser Tagesziel war die Stadt Ibri am westlichen Rand des Hadschar-Gebirges. Witzigerweise lag unser Hotel hier direkt über der indischen Supermarktkette LuLu (vergleichbar mit Kaufland). Unser Streckenverlauf orientiert sich auch hier nur grob an asphaltierten Verkehrswegen. Wir widmeten uns vorzugsweise den Verbindungswegen zwischen den kleinen, autark lebenden Ortschaften. Sie ließen uns unerwartete Motive entdecken.
Bevor wir Ibri am darauffolgenden Morgen verließen, erkundeten wir die Festungsmauern des Forts von al-Sulaif am Stadtrand. Das Fort, einstmals auf einen Felsen errichtet, beherbergt heute die Ruinen von mehrstöckigen Lehmhäusern. Alles in allem eine imposante Kulisse!
Im Anschluss folgen wir verschiedenen Pisten und kurzen Straßenabschnitten, bis wir die Bienenkorbgräber von al-Ayn erreichten. Die Steingräber liegen gut sichtbar auf einer Anhöhe und werden von der mächtigen Bergflanke des Jebel Mishd überthront. Für die Mittagspause nutzen wir ein schattiges Plätzchen im Wadi Damm, bevor wir über die Piste hinauf auf das Plateau von al-Hayl fuhren. Bekannt ist die steil abfallende Aussicht in das über 1.000 m tiefer gelegenen Wadi Ghul bzw. An Nakhur am ehesten unter dem Namen »Jebel Shams View Point«. Der Aussichtspunkt befindet sich auf ca. 2.000 m, gegenüber des Jebel Sahms. Er erhebt sich knapp über die 3.000 m-Marke und ist damit der höchstgelegene Gipfel des Hadschar-Gebirges sowie des Sultanats.
Als Unterkunft nutzten wir das Sama Heights Resort um die Anfahrt für den Sonnenaufgang möglichst kurz zu halten. Von der Morgenlocation hatte ich mir persönlich viel erhofft. Doch wenn die Witterung nicht will – dann sind wir auch recht Chancen los, was einen beeindruckenden Morgenhimmel anbelangt. So verließen wir das Plateau nach einem ausgiebigen Frühstück und wendeten uns dem Wadi Ghul am Fuß des Gebirgsmassivs zu. Jetzt ging es auf einer schmalen, holprigen Piste über 1.000m tiefer in die Schlucht, die wir einige Stunden zuvor als Morgenmotiv nutzten.
Bevor wir auf unser nächstes Hotel in Nizwa zusteuern, gilt es verschiedene Oasen mit ihren Palmengärten, am Fuß des Hadschar-Gebirges zu erkunden. Ganz gleich ob al-Hamra, Bahla, das Bergdorf Misfat al-Abriyyin mit seinen Terrassen – sie und weitere laden ein zum Entdecken und Verweilen. Auf dem Weg nach Nizwa, wo wir uns für zwei Nächte einquartierten, legten wir noch einen Zwischenstopp an der historischen Wohnfestung Jibreen Fort, aus dem 17. Jahrhundert ein. Die Lehmfestung, bietet einen guten Einblick in das Innenleben einer solchen Anlage.
Wieder eingegliedert in unseren offiziellen Reiseplan, erreichen wir am späteren Nachmittag unser Wüsten-Camp am Rand der Wahiba Sands. Übernachten wir auf Fotoreisen in die Rub al-Khali für gewöhnlich in Zelten, genießen wir hier den Komfort eines Lodge-Camps (wie schon auf dem Plateau im Hadschar-Gebirge, nutzten wir hier erneut die Infrastruktur des Sama Resorts). Die Wahiba, wie sie in ihrer Kurzform genannt wird, ist die dritte Wüste im Sultanat. Sie ist mit einer Ausdehnung von ca. 180 × 80 km die kleinste und wohl auch die erschlossenste der drei Wüsten. Zur Abenddämmerung hin, hieß es die Dünen samt Fotorucksack und Stativ zu erklimmen. Die Aussicht über die kleinen Dünenklippen, die Ebene hinüber zu dem nächsten anschließenden Dünenkamm in der Abendsonne, versprüht sein ganz eigenes Flair…
Am nächsten Morgen, klingelten unsere Wecker, weit vor Sonnenaufgang gegen 5Uhr00. Ausgerüstet mit der Kamera um den Hals und einem Wechselobjektiv, wurden wir von den Fahrern des Royal Balloon Oman-Team aufgelesen. Sie brachten uns in stockfinsterer Nacht durch die Dünen zum Startplatz der drei Heißluftballone, die bereits aufgerüstet wurden.
Nach einer kurzen Einteilung der Passigiere in die Kabinen-Abteile, wurden die Ballone befeuert, so dass wir fast punktgenau mit dem Sonnenaufgang über die Dünen der Wahiba glitten. Das Sahnehäubchen bei dieser Ballonfahrt über die Dünenkämme der Wüste war der Morgennebel, der sich nach und nach auflöste. Hier hoffe ich insgeheim, dieses Erlebnis Mitte April auf unserer »Al-Urdunn – Fotoreise Jordanien« (ebenfalls mit bedu) dieses Jahres im jordanischen Wadi Rum nach Jahren wiederholen zu können.
Beflügelt und wohlgestärkt starten wir nach dem Frühstück im Sama Resorts in Richtung Jalan Bani Bu Ali. Der Ort am Rand der Whaiba ist bekannt für eine der ältesten Moscheen des Landes. Die al-Hamouda-Masjid, ein Lehmbau mit 52 Kuppeln, fügt sich seit über 500 Jahren unscheinbar in die Region ein. Zu unserer Enttäuschung war die Moschee für Restaurierungsarbeiten von einem Bauzaun vollständig verdeckt. Lediglich ein Blick durch die Tür des Bauzauns gewährte uns einen Blick auf dieses architektonische Kleinod.
Auf unserem Weg, dem Ozean entgegen, legten wir noch zwei weitere Stopps ein. Einmal im »begrabenen Dorf« im Wadu Murr. Hier lassen sich ähnlich vom Sand begrabene Häuser entdecken wie in Kolmanskop im Südwesten Namibias. Beeindruckend, wie auch ernüchternd zugleich.
Unseren zweiten Stopp legten wir an einer Felsformation ein, die in Oman als die »Mutter aller Gesteinsaufschlüsse« gilt. Eine faszinierende Gesteinsformation, an der geologisch interessierte Gemüter sicherlich länger verweilen würden.
In Sur eingetroffen, gönnen wir uns eine Verschnaufpause, bevor wir zur Abenddämmerung fußläufig zu einem Aussichtspunkt unweit des Hotels aufbrechen. Neben einem alten Wehrturm hoch über der al-Ayjah-Bucht genießen wir die Aussicht über die angrenzende Stadt sowie den Indischen Ozean. Beeindruckt von dem Farbspiel, dass sich hier nach Sonnenuntergang ergab, bemerkten wir die mit der Dunkelheit einsetzende Mückenplage erst nach dem wir zerstochen wurden.
Bevor wir Sur verlassen, besuchten wir noch die Dhau-Werft auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht. Hier werden die traditionellen Holzboote nach wie vor in Handarbeit gefertigt. Neben Neubauten, werden auch in die Jahre gekommene Schiffe gewartet und wieder in Stand gesetzt. Gleich nebenan werden unter Schutzmasken, die kleinen weißblauen Fischerboote aus Verbundmaterial gefertigt, die im gesamten Küstenbereich des Omans anzutreffen sind.
Weiter geht es an der Küste – wobei weiter, eigentlich geht es ja zurück nach Muscat unserem Ausgangspunkt, an dem wir vor acht Tagen aufgebrochen sind. Um nicht einfach nur zurück zu fahren, gönnen wir uns einen letzten Abstecher durch verschiedene Wadis, die sich mit ihren Pisten miteinander verbinden lassen.
Mit dem Eintreffen gegen Abend in Muscat, erledigten wir unsere verbliebenen Einkäufe auf dem Suq und trafen uns im Anschluss zu unserem »Abschiedsessen« gegenüber des Fischmarkts. Kaum zu glauben, dass sich unsere Tour dem Ende neigt. Eine letzte Hotelnacht (wie zum Auftakt der Fotoreise im Hilton Garden) und der Heimflug naht.
Wir nutzten die Gunst des späten Rückflugs und brachen morgens vor Sonnenaufgang noch einmal zum Sultanspalast auf. Abgesehen von einzelnen Gärtnern und Palastwachen, hatten wir die gesamte Kulisse in der Morgendämmerung für uns…
Während unseres letzten Fotostopps verirrt sich wiederholt im Verlauf unserer Fotoreise der Begriff »Slow Photography« in mein Gedächtnis. Es sind die Erinnerung an Bilder, wie ich sie mit dem Bildband »THE ART OF SLOW LIVING« verbinde. Ausschnitte in den Forts und Festungen die wir besuchten, reihen sich wunderbar in diese Philosophie ein. Es sind die vielen kleinen Bildausschnitte, die sich in den Räumen oder auch entlang der Mauern mit ihren Treffen, Türen und Fenstern entdecken lassen.
Wer Lust auf mehr das Sultanat Oman, der auch gerne als die Schweiz der arabischen Welt benannt wird, bekommen hat – Ende November brechen wir unter dem Titel »Fotoreise: Huqf & Rub al-Khali« wieder in die Wüste auf. Es geht von Muscat durch die ql-Huqf (eine Steinwüste) mit Zwischenübernachtung in Haima und durch die Rub al-Khali (die größte Sandwüste der Erde). Eine Fotoreise abseits des Mainstreams mit reichlich Zeit und Muße für beeindruckende Wüstenimpressionen.