Fotoreise Lago di Garda

LAGO DI GARDA,  GARDASEE – das heißt: fotografieren unter italienischer Sonne! Aus der marokkanischen Sonne kommend, ging es nach einer kurzen Verschnaufpause über die Alpen, der südlichen Frühlingssonne entgegen. Ein paar erste Sonnenstrahlen ergaben sich bei einer kurzen Pause am Reschensee, bevor ich mich in Riva del Garda mit der Gruppe von Thürmer Tours zum Briefing beim Abendessen traf. Ausgangsbasis für unsere Fotoexkursionen, war wie in den vergangenen Jahren zuvor, wieder das Grand Hotel Liberty.

Unsere Erkundungstouren starteten wir am Montagmorgen mit einem Sprung über die Etsch bei Roveretto am Torrente Leno di Vallarsa nahe der Einsiedelei San Colombano. Auf dem Weg ins Brandtal, ließen wir die Aussichtskurve zwischen Torbole und Nago sprichwörtlich links liegen. Der Parkplatz mit Aussichtspunkt zwischen Torbole und Nago, ist seit nun mehr zwei Jahren als Baustellenparkplatz umfunktioniert. Der Lago di Loppio direkt hinter dem Passo di Giovanni, zeigte sich nach einem trockenen Winter, mit seinem ausgetrockneten Seegrund.

Auf dem Rückweg aus dem Brandtal legten wir einen Zwischenstopp in den Olivenhainen von Nago ein. Kurzerhand gaben wir unserem Erkundungsdrang nach und bogen auf die Strada del Monte Baldo ein, die uns über zahlreiche Serpentinen zum Wanderparkplatz unterhalb des Monte Varagna, auf ca. 1580 m führte. Nach einem kurzen Fußmarsch zum etwas tiefergelegenen Aussichtspunkt an der Westflanke des nördlichen Monte Baldo-Massivs, lag uns ein bunter Bergwald in verschiedensten Grüntönen wie auf der deutlich tiefer liegenden Lago di Garda zu Füßen. Um diesen beeindruckenden Weitblick gestochen scharf abzubilden, war es im Mittagslicht allerdings zu dunstig. Dennoch boten die feinen Luftschichten am südlichen Westufer des Lagos eine interessante Kulisse.

Nach den unzähligen Kehren in entgegengesetzter Richtung wieder im Tal angekommen, widmeten wir uns den alltäglichen Dingen des Lebens, wofür wir einen Zwischenstopp im Supermarkt einlegten. Anschließend ein kurzer Stopp in der Unterkunft. Im Anschluss hieß es wieder Kehre um Kehre an Höhe gewinnen, bis wir den Parkplatz am Lago di Tenno erreichten. Ein Blick auf den See, gefolgt von letzten Höhenmetern, bis wir Canale di Tenno erreichten. Das historische Bergdorf lädt immer wieder aufs Neue zum Verweilen ein.
Dienstagmorgen brachen wir bereits um 7Uhr30 auf. Ziel war der Parkplatz in Portese am Südwestufer des Sees. Von hier ging es per Boot auf die Isola del Garda. Die Gären samt Villa im venezianischen Stil, der anschließende Landschaftspark – sie bieten unerwartete Motive inmitten des Sees.

Wieder am Südwestufer angekommen, legten wir während des Regens eine Mittagspause ein und beratschlagten unser weiteres Vorgehen. Eines stand fest: Auf einen Fußmarsch bei Regen zum nächsten Motiv hatte keiner so richtig Lust. Wir entschieden uns stattdessen für die Serpentinen auf der „Strada della Forra“ (SP38) durch die Brasa-Schlucht. Auch wenn sich am Straßenrand keine echten Parkmöglichkeiten bieten um ausgiebig zu fotografieren, bietet die Straße doch eine grandiose Aussicht – auch bei Regen. Unser eigentliches Motiv fanden wir in der Kehre oberhalb der Pizzeria Brasa am Brasa-Bach. Die etwas versteckte Schlucht mit dem Wasserfall lässt eindrucksvoll erahnen, wie Wasser mit jedem einzelnen Tropfen über die Zeit die Landschaft formt.

Bevor wir wieder den Serpentinen ins Tal folgten, gönnten wir uns ein Heißgetränk mit Tiefblick auf der Terrazza del Brivido des Hotels Paradiso oberhalb von Pieve. Wieder in Riva angekommen widmeten wir uns rasch dem Abendessen. Die Idee hinter dem frühen Abendessen: Sollte der Regen anhalten, könnten wir uns noch einmal den gepflasterten Gassen von Canale di Tenno widmen. Doch bevor wir erneut im Bergdorf ankamen, legten wir zwei kurze Zwischenstopps ein, um die zerrissenen Wolkenberge über dem See im trüben Abendlicht auszukosten.

Am Mittwochmorgen hegten wir die Hoffnung, dass es trockener wird als am vorangegangenen Dienstag. Doch das entpuppt sich in zweierlei Hinsicht als Trugschluss. Zum einen verheißt der Wetterbericht nasse Stunden, zum Anderen entpuppt sich ein Besuch der Varone-Schlucht bzw. des Parco Grotta Cascata Varone in den seltensten Fällen als eine trockene Angelegenheit. So gönnten wir uns nach dem Besuch der Schlucht erstmal eine Trocknungspause in der Unterkunft.
Auch wenn der Wetterbericht keine Besserung versprach, machten wir uns am Nachmittag wieder auf den Weg. Zeil war eine Höhenstraße in den benachbarten Presanella-Adamello-Alpen westlich der Gardaseeberge. Die Aussagen hinsichtlich der Wintersperre am Passo Maniva waren zwar widersprüchlich, doch das sollte unser Entdeckerdrang nicht einschüchtern. Auf dem Weg nutzten wir den Tiefblick bei Pregasina oberhalb des Val di Ponale, doch vertrieb uns hier schnell dumpfer Donnerhall samt Regen. Zwischen Ledro und Storo boten sich weitere Motive, die wir mit Ausnahme der historischen Kalköfen außer Acht ließen. Ab Bagolino, einem kleinen Bergdorf, ging es schließlich wieder Kehre um Kehre dem Himmel entgegen, bis – bis wir, jäh an einer Schranke gestoppt wurden. Die Wintersperre, die nach Auskunft verschiedener Web-Portale bereits aufgehoben sein sollte, war eben doch noch in Kraft. Hier benötigten wir einige Minuten um uns in der Situation, ca. 6 km und 400 Höhenmeter unterhalb unseres angedachten Zieles auf die Motivwelt zwischen Wolken und Himmel einzulassen.
Donnerstags sollten uns wärmende Sonnenstrahlen den Tag versüßen meinte die Wettervorhersage – und das taten sie auch. So erfreuten wir uns in den Gassen von Malcesine in den Vormittagsstunden über die Sonne. Auch wenn wir uns über die frühlingshaften Temperaturen freuten – Lichttechnisch wäre eine bewölkte Witterung vorteilhafter für die Altstadtmotive gewesen. Diese kleine Unzulänglichkeit sollte uns jedoch nicht vom Fotografieren abhalten. Um die Mittagszeit stellten wir dann fest, dass es die Witterung nicht leicht hat mit Reisenden deren Blick auf der Fotografie bei optimaler Witterung bzw. Licht liegt: Sonne ja, aber nicht zu viel, so dass die Schatten nicht zu hart ausfallen. Mit Blick auf den nördlichen See, stellten wir gegen die Mittagszeit dann allerdings fest, dass wir unseren Wunsch nach dem passenden Licht, aller Wahrscheinlichkeit nach zu ungenau formuliert hatten. Die Witterung nahm sich unseren Wunsch zu Herzen. Wolken waren im Anflug – und zwar als dunkle, schwarze Gewitterwand. Jetzt galt es unseren weiteren Tagesplan zu überdenken. Eigentlich wollten wir in den Nachmittagsstunden fußläufig ein weiteres Bergdorf besuchen wollen. Mit einem Gewitter im Rücken, nahmen wir von dem Vorhaben jedoch schnell Abstand.

Für die verspätete Mittagspause konnte ich meine Mitreisenden für einen Besuch des Agriturismo Le Caldane nahe Cola, südöstlich von Lazise gewinnen, wo ich auch direkt den Jahresbedarf an Olivenöl für zu Hause einkaufen konnte. Auf dem Weg in Richtung Norden, entschieden wir uns für eine Route abseits der touristischen Pfade. Diese bot in uns um San Zeno di Montagna und Prada Alta von der südlichen Westflanke des Monte Baldo-Massivs weitere Tiefblicke auf den Lago di Garda.

Kaum zu glauben, dass schon wieder Freitag ist! Nach dem Frühstück gelangten wir über die Autostrada durch das Etschtal nach Spiazzi, an der Ostflanke des Monte Baldo-Massivs. Vom Parkplatz ging es knapp 100 Höhenmeter hinunter an den Wallfahrtsort Madonna della Corona. Hier bietet die in den Felsen gebaute Wallfahrtskirche eine beeindruckende Kulisse.

Nach einem Heißgetränk und anregendem Austausch über Wallfahrtskirche im Café am Parkplatz, machten wir uns um die Mittagszeit auf den Weg nach Punta San Vigilio. Im 16. nachchristlichen Jahrhundert als „der Schönste Ort der Erde“ tituliert, lädt die Bucht zum Verweilen ein. Aus fotografischer Wahrnehmung spielt sie sicherlich in der abendlichen Dämmerung ihre Trümpfe aus. Doch ein Besuch tagsüber, bietet Einblick in die ansonsten verschlossenen Gärten hinter den hohen Steinmauern.

Für den Rückweg nach Riva entschließen wir uns noch für eine Fährpassage. Wir setzen in den Nachmittagsstunden von Torri del Benaco am Ostufer nach Toscolano Maderno am Westufer des Sees über. Von hier aus folgten wir der Gardesana Occidentale (SS45) nach Norden und biegen kurz nach einem der zahlreichen Tunnel, linker Hand auf die SP38 ein und rollten diese von Süden her auf. Als Zwischenstopp bietet sich hier, je nach Witterung beispielswiese die Santuario di Montecastello mit ihren Ausblicken auf die umliegenden Bergdörfer an. Ein letzter Halt in Limone und wir erreichen Riva del Garda zum Abendessen.

Es war eine kurzweilige Woche, die uns viele Ein- und Ausblicke sowie Weit- und Tiefblicke bescherte. Nicht immer, wie wir es uns erhofft hatten – dennoch eindrucksvoll. Ich für mich nutze gerne die Filmsimulation ACROSS mit ihren integrierten Filtern an meiner Fuji um so die Hell-Dunkel-Kontraste oder auch die diffusen Lichtstimmungen gut ausschöpfen zu können.

Um den angekündigten Staus aus dem Weg zu gehen, entschied ich mich auf der Fahrt nach Norden über die Alpen für eine Route über den Jaufenpass sowie den Brenner. So ergaben sich meine letzten Aufnahmen aus dem Süden auf dieser Tour kurz unterhalb der Passhöhe auf knapp über 2.000 m mit Blick ins Val Passiria…