Jordanien heißt Marokko

…eigentlich hätte es vom 15. bis zum 25. April mit bedu-expeditionen auf eine Fotoreise nach Jordanien gehen sollen. Im Fokus hätten antike Stätten in und um Amman, beeindruckende Schluchten, Kreuzfahrerburgen, Petra die Stadt der Nabatäer sowie das Wadi Rum mit seiner roten Wüstenlandschaft stehen sollen. Ein- und Ausblicke bietet der Beitrag „Fotoreise Jordanien 2022“ hier im Blog aus dem April 2022.

Die jüngsten Entwicklungen und Geschehnisse in der Golfregion ließen allerdings die Vorfreude wie auch das persönliche Sicherheitsempfinden zusehends schwinden. Mit Rücksprache der Teilnehmenden, galt es für denselben Zeitraum, in Windeseile ein Ausweichziel auszuwählen, auf Fotoreise-Tauglichkeit prüfen und zu organisieren. An der Stelle: Meinen besten Dank an bedu-expeditionen! Mit Marokko hatten wir ein Ausweichziel, das Jordanien in nichts nachstand.

Am 15. April sollte es losgehen. Doch hatte hier die Lufthansa bzw. die Piloten sowie die Kabinen-Crews eigene Pläne, was die Durchführung der Flüge anbelangte. Mit Fingerspitzengefühl gelang es bedu-expeditionen uns, mit einem Tag des Bangens mit einem kleinen Umweg über Paris sicher und wohlbehalten samt Gepäck an den Start unserer marokkanischen Fotoreise in Casablanca in die Hände von Marokko Speziell zu übergeben.

Nach einer herzlichen Begrüßung ging es, um den verlorenen Tag zu kaschieren in einer Nachtfahrt direkt nach Marrakesch. Der nächste Morgen bescherte uns ein ausgiebiges Frühstück auf der Dachterrasse des Riad Nesma von wo aus wir ins Landesinnere aufbrachen. Ein paar persönliche Besorgungen, ein Stopp zum Geld wechseln und schon ging es los in Richtung Hohen Atlas. Mit einigen Fotostopps überquerten wir den Tizi n’Tichka-Pass (2.260 m), und bogen ein auf die „Straße der Kasbahs“ ein.

Der Tizi n’Tichka-Pass oder Col du Tichka wie er seit der französischen Kolonialherrschaft auch genannt wird, fand seinen Ursprung als historische Salzstraße. Über ihn zogen die Karawanen mit ihren kostbaren Waren und Gütern aus der Sahara kommend an die Atlantik- und Mittelmeerküste. Entlang der Route, die sich an der Talform anpasste, wurden zum Schutz der Karawanen Sicherungsposten (heute würden man diese als Militärposten bezeichnen), von den jeweiligen Herrschaftsfamilien eingerichtet. In ihrem Umfeld entstanden über die Jahrhunderte kleine Ortschaften – sie bilden die „Straße der Kasbahs“. Darunter fallen so klangvolle Namen wie Kasbah el Glaoui in Tamdakhte. Oder das seit 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Aït-Ben-Haddou. Diese Festungsdorf mit ineinander verschachtelten Wohnburgen, sogenannten Tighremts, wurden aus Stampflehm gefertigt und erreichten bis zu drei Stockwerke. Die Ortschaft dient in unserer Zeit immer wieder als Filmkulisse der Atlas Studios im nahe gelegenen Ouarzazate. Doch dazu mehr auf dem Rückweg.
Unser Weg führte uns in mehreren Tagesetappen zwischen dem Hohen Atlas und Anti-Atlas mit den Ausläufern des Jebel Saghro im fruchtbaren Drâa-Tal nach Agdz, Tansikhte, Nakoub in Richtung Risanni. Auch hier erwarteten uns zahlreiche Spuren der traditionellen Ortskerne, die in aller Regel in direkter Nachbarschaft zwischen den modernen Ortschaften und Palmenoasen liegen.
In Risanni angekommen, tauchten wir ein in den Souk. Enge Gassen, abgedeckt mit löchrigem Wellblech oder Strohmatten zum Schutz vor der grellen Sonne, hier pulsierte das städtische Leben. Ein Markt wie er authentischer nicht sein könnte. Im Anschluss legten wir einen Stopp im nahegelegenen Ali Cherif-Mausoleum ein, bevor wir östlich von Merzouga die Erg-Chebbi-Dünen, als nördliche Ausläufer der Sahara erreichten.

Ähnlich wie in Jordanien ein Abstecher in das Wadi Rum eingeplant war, ging es für uns jetzt in die Wüste – besser gesagt einen Wüstenausläufer. Die Cruz an solchen, gut erreichbaren Wüstenausläufern ist der Umstand, dass in ihren Randbereichen eine Vielzahl von Wüsten-Camps ihr Auskommen suchen. Die Gratwanderung für den Tourismus vor Ort liegt denke ich darin, das Dünenfeld behutsam zu „bewirtschaften“. Einem alten arabischen Sprichwort nach „reinigt Wasser den Körper – die Wüste hingegen reinigt die Seele“. Es fällt mir schwer, nicht in eine Wertung zu verfallen, zumal wir selbst die Infrastruktur „Wüsten-Camp“ genutzt haben. Doch distanzierten wir uns auf der Suche nach Stille und Weite in den Dünen von dem „Fun-Park Wüste“ der Tagein-Tagaus mit unzähligen Reifenspuren der Quad- und Enduro-Karawanen durchzogen wird.

Nach den Dünen erkundeten wir die nähere Umgebung des Wüstenausläufers, in dessen Schatten sich die Niederschläge aus den Wintermonaten alljährlich in einer Senke zu einem See sammeln. Ebenfalls interessant, die Oase mit ihrem Palmengarten. Die Palmen selbst tragen Früchte, während sie zeitgleich Schatten spenden für die darunter liegenden Felder. Felder nicht in nach unseren Maßstäben, viel mehr orientieren sie sich an der Größe eines Tagwerks, mit dem sich die Familien selbst versorgen.

Die Erg-Chebbi-Dünen unweit der algerischen Grenze im Südosten Marokkos sind auch der Wendepunkt unserer Fotoreise. Wir treten, ab hier unseren Rückweg nach Marrakesch an. Dieser führte uns in mehreren Tagesetappen durch die Todra-Schlucht sowie das Dades-Tal samt Schlucht in Richtung Ouarzazate. Neben traditioneller Lehmkultur stoßen wir hier am Rand des südlichen Hohen Atlas auf beeindruckende Schluchten, die sich über die Jahrtausende tief in die rötlichen Felsen eingegraben haben. Gelegentlich nutzten wir dabei die schattigen Palmengärten entlang der Flüsse in den Wadis für die Motivsuche.

Kurz vor Ouarzazate, das auch bekannt ist als das „Hollywood Marokkos“ legten wir in der Oase Skoura einen weiteren Fotostopp ein. Die Kasbah Amridil, perfekt sanierte wie inszeniert dient immer wieder als Filmkulisse. Der Straße hinter der Kasbah folgend, führte uns fußläufig an einer ganzen Reihe weitere Kasbahs in unterschiedlichsten Erhaltungszuständen vorbei. Auch sie dienen von Zeit zu Zeit je nach Anforderung als Filmset.

Bevor wir nach unserer letzten Übernachtung südlich des Hohen Atlas den Weg über das Gebirge antreten, statteten wir den „Atlas Studios“ einen Besuch ab. Klar – touristischer geht es wohl kaum! Doch bewegten wir uns ganz frei, ohne irgendwelche Visaangelegenheiten zwischen Ägypten, Tibet wie auch in einer Zeitreise im römischen Reich und seinen Provinzen. Dem Slogan: Light, Landscape & Blockbuster, lassen sich hier Film-Sets einer Vielzahl von Hollywood-Blockbustern entdecken. So entpuppt sich der Souk in dem Monumentalfilm „Gladiator“ von Ridley Scott als deutlich keiner als er im Film selbst wahrgenommen wird. Souk, wie auch der Zugang lassen keine Zweifel aufkommen, dass es sich hier um altes Gemäuer handelt. Doch wehe dem ich gehe zwei, drei Schritte zurück, dann wird schnell ersichtlich, dass es sich „lediglich“ um einen Studio-Aufbau handelt. Eine ganz andere Form des Kulissenbaus bot uns die Fassade aus einem Werbefilm Hermès. Die knallbunte Fassade mit ihren Linien bot uns ein schönes Formenspiel auf dem Weg zum Ausgang.

Bereits auf dem Weg zur Passhöhe des Tizi n’Tichka, kündigt sich das gerade über Spanien hinwegziehende Regentief, mit schweren Wolken an, die flach über die Bergkämme hinweg ziehen. Die Passhöhe passiert, legten wir einen weiteren Fotostop mit Tiefblick auf die Oasen im Zat-Tal ein. Unsere letzte Landschaftskulisse für diese Fotoreise.

In Marrakesch angekommen, bezogen wir Quartier inmitten der Medina und machten uns im Handumdrehen auf dem Weg in das abendliche Treiben in den Souks wie auf den Jemaa el-Fnaa im Zentrum. Nach einem ersten Eindruck in dem Getümmel, ging es am darauffolgenden Morgen erneut auf Tour – jetzt unter der fachkundigen Führung eines deutschsprachigen Stadtführers. Neben den Feinheiten der Architektur und des Lebens im el-Badi-Palast, entführte er uns in die letzten verbliebenen authentischen Gassen des Souks von Marrakesch. Insgesamt beherbergt der Souk etwas über 7.500 Geschäfte, wo von nur noch wenige hundert ihrem traditionellen Handwerk nachgehen. Auch wenn die Mehrzahl der unzähligen Verkaufsstände sich überwiegend auf touristische Massenware fokussiert hat, ist der Besuch dieser verwinkelten Gassen und Gänge eine bleibende Erinnerung.

Am letzten Morgen, geht noch vor Sonnenaufgang mit dem Shuttle-Service an den Flughafen, wo wir uns auf die Flüge nach Frankfurt und München nach der Verabschiedung aufteilten. Waren ursprünglich zwölf Tage Fotoreise nach Jordanien geplant, erlebten wir in elf intensiven Tagen eine Mischung regionaler gelebter Tradition und Kultur der Amazigh (Berber) sowie eine Landschaft, deren Eindrücke zwischen beeindruckend und atemberaubend pendelten.

Gedacht als Ausweichtour bedingt der politischen Lage in der Golf-Region, sind sich bedu und ich einig: Marokko, wird nach Überarbeitung der Route eine eigenständige Fotoreise! Details folgen…